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07:00 20.04.2021
Bei Zahnfüllungen geht es oft nicht nur um die Haltbarkeit, sondern auch um die Ästhetik. FOTO: CHRISTIN KLOSE/DPA-TMN
Dr. med. dent. Kerstin Herrmann-Langl

Berlin. Ein Loch im Zahn muss gefüllt werden. Doch was kommt herein, wenn der Bohrer oder Laser seine Arbeit getan hat? Hier hat sich viel getan in den vergangenen Jahrzehnten. Der Klassiker der Zahnfüllungen ist jedenfalls auf dem absteigenden Ast, weil moderne Technologien auf dem Vormarsch sind. Doch an welchen Stellen im Mund kommt welches Material zum Einsatz?

Bei Füllungen an Front- und Eckzähnen ist Kompositkunststoff das Standardfüllungsmaterial und wird von den Krankenkassen bezahlt. Im Seitenzahnbereich kommen auch verschiedene andere Füllungswerkstoffe in Frage, unter anderem Amalgam. In diesem Bereich ist es wichtig, dass die Materialien hohe Kräfte aushalten, da dort die Kau- und Mahlzähne, die sogenannten Molaren, liegen.

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Glasionomerzemente als Übergangslösung

Eine Option als Provisorium sind Glasionomerzemente. „Das sind Materialien, die von ihren biologischen Eigenschaften und von der Fluorid-Abgabe sehr gut sind“, erklärt Roland Frankenberger. Er ist Professor für Zahnerhaltung an der Philipps-Universität Marburg und am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. Das Problem des Materials sind seine Mundbeständigkeit und Biegefestigkeit, die beide meist nicht gut genug seien, so Frankenberger. Das heißt: Glasionomerzemente brechen leicht und werden bei den bleibenden Zähnen meist nur für provisorische Füllungen, etwa in der Schwangerschaft, oder zum Füllen von Milchzähnen verwendet.

Spezielles Material für das Innere des Zahns

Zudem gebe es noch spezielle Zemente und biokompatible Materialien wie Mineral Trioxid Aggregat (MTA) oder Biodentine, auf die man etwa zurückgreife, wenn die Zahnpulpa, also das Innere des Zahns, eröffnet wurde, ergänzt Frankenberger, der auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) ist. „Diese Materialien sind sehr gut bioverträglich, auch bei sehr tiefen Kavitäten, also bei tiefen Zahnhöhlen nach einer Karies“, erläutert Frankenberger. Allerdings seien sie in ihrer Biegefestigkeit noch schlechter. Sie sind also für den Zahn im Inneren gut und verträglich, halten aber dem Kaudruck nicht stand.

Ein Klassiker auf dem Rückzug

Der Klassiker Amalgam kommt bei den Zahnärztinnen und Zahnärzten hierzulande nur noch vergleichsweise selten zum Einsatz. „In vielen Praxen wird heute gar kein Amalgam mehr verwendet“, sagt Joachim Hüttmann, Zahnarzt in Bad Segeberg (Schleswig-Holstein). Hüttmann verwendet Amalgam noch, weil es ein sehr guter und sehr haltbarer Füllungsstoff sei. Es sei auch deswegen so beständig, weil es Spalten selbst dann noch abdichte, wenn es korrodiere, so der Experte vom Freien Verband Deutscher Zahnärzte. „Außerdem mögen Bakterien das Korrosionsprodukt überhaupt nicht, sodass in der Regel unter schlecht sitzenden Amalgamfüllungen keine Bakterien und keine Sekundärkaries zu finden sind“, erklärt Hüttmann. Aber weil sich Amalgam ausdehnen kann, kriegen die Zähne häufig Risse oder platzen manchmal sogar durch große Amalgamfüllungen.

Im Seitenzahnbereich ist Amalgam nach wie vor die Standardfüllung, bei der die Gesamtkosten von der Krankenkasse getragen werden. Für „ausgedehnte und schwer zugängliche Kariesdefekte“ in diesem Bereich, wo großer Kaudruck herrsche, gilt es laut der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) weiterhin als Mittel der Wahl.

Fortschritte in der Kunststofftechnologie

In der Anwendung ist es aber stark rückläufig. Das liegt an den Fortschritten in der Kunststofftechnologie, die längst auch Eingang in die Zahnarzt-Ausbildung gefunden hat. „Unsere Studierenden machen 98 Prozent Kunststoff und 2 Prozent Amalgam“, sagt Frankenberger mit Blick auf die Uni Marburg. Viele Patientinnen und Patienten wollen ohnehin kein Amalgam im Mund haben. Ein Grund dafür ist das darin enthaltene umweltunverträgliche Quecksilber – wenngleich es keine wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, wonach Amalgamfüllungen gesundheitliche Risiken bergen. Dennoch erhalten nach Angaben des Krebsinformationsdienstes unter anderem Schwangere und Stillende, Kinder unter 15 Jahren und Personen mit neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose und Alzheimer keine Amalgamfüllungen mehr - „als reine Vorsichtsmaßnahme“. Gesetzlich Versicherte, die keine Zahnfüllungen aus Amalgam erhalten dürfen, haben Anspruch auf eine alternative plastische Füllung, bei der sie keine private Zuzahlung leisten müssen.

Auch aus ästhetischen Gründen lehnen viele Menschen Amalgam ab. Es ist gräulich-schwarz-silbern und schimmert oft gut sichtbar im Mund. Kunststoffe haben hier den Vorteil, dass sie an die individuelle Zahnfarbe angepasst werden können.

Inlays und Teilkronen als Alternative

Im Gegensatz zu Kompositfüllungen und anderen plastischen Füllungen, zu denen Amalgam zählt, entstehen indirekte Restaurationen wie Inlays oder Teilkronen nicht direkt im Mund. Sie werden beim Zahntechniker oder mitunter direkt in der Zahnarztpraxis mit einer Fräsmaschine gefertigt. Dafür fallen zusätzliche Kosten an. Bei Privatpatienten hängt die Kostenerstattung von Inlays oder Teilkronen von ihrem jeweiligen Tarif ab, Kassenpatienten müssen die Kostendifferenz zur plastischen Füllung in der Regel selbst tragen. Unter Umständen deckt eine Zahnzusatzversicherung die Kosten.

Mehr vom Zahn erhalten

Die neuen Kunststofftechnologien haben die Herangehensweise an Karieszähne geändert. Früher wurde beim Zahnarzt schnell eine Krone präpariert oder eine große Füllung gemacht. „Das wird momentan und über die Jahre wesentlich vorsichtiger und – ich würde sagen – zärtlicher gemacht“, schätzt Frankenberger. „Unser Fokus in der Zahnerhaltung liegt immer darauf, vom Zahn, wenn es irgendwie geht, so viel wie möglich stehenzulassen.“ dpa/tmn
    

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