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Home Sonderthemen Gesundheit Wie Menschen andere in Bewegung bringen
07:30 11.03.2020
Beim ASC-Frühjahrsempfang 2020 ist das neue, aufwendig umgebaute ASC-Sportcentrum auf den Zietenterrassen vorgestellt worden. Die eindrucksvollen Räumlichkeiten bieten vielseitige Möglichkeiten zur Bewegung. Rechts: ASC-Cheftrainerin Vicky Henze. FOTOS: HELLER/R

Göttingen/Landkreis. Dass Bewegung förderlich für das Wohlbefinden und die Gesundheit ist, gehört wohl zu den bekanntesten Binsenweisheiten der Gegenwart. Gleichzeitig scheint der Schritt von der Theorie zur Praxis mit Hürden verbunden. Der sprichwörtliche innere Schweinehund ist dabei nicht immer der primäre Grund für mangelnde Bewegung. Wer Bewegung sucht, trifft auf ein großes und potenziell überforderndes Angebot an Studios, Kursen, Onlinevideos und Fitness-Apps. Körperliche und psychische Einschränkungen aber auch Vorerkrankungen können eine zusätzliche Barriere für den Einstieg in die sportliche Betätigung darstellen. 

Vereine und Fitnessstudios in Stadt und Landkreis reagieren auf diesen Umstand und versuchen die Menschen der Region mit niedrigen Hemmschwellen und bedürfnisorientierte Angeboten in Bewegung zu bringen. Wir stellen an dieser Stelle einige Beispiele vor – natürlich ist das nur eine winzige Auswahl der vielfältigen Möglichkeiten.
    

Vom Klassiker bis zum Trendsport

Der Göttinger Verein ASC von 1846 setzt auf ein vielfältiges Angebot, das laut Cheftrainerin Vicky Henze an die 100 Kursstunden in der Woche umfasse. Die mehr als 60 angebotenen Sportarten reichen von Klassikern wie Fußball, Badminton und Yoga bis zu ausgefallenen Angeboten wie Trampolinfitness oder sogar Wrestling. Dabei ist das Programm auf die Lebensrealitäten aller Zielgruppen angepasst. Angebote für Senioren zu Themen wie Alltagsfitness oder Gedächtnis und Bewegung könnten vermehrt am Vormittag besucht werden, so Henze. Kurse für Berufstätige, die unter anderem als Ausgleich zu einem stressigen Berufsalltag dienten, lägen in den Abendstunden.
    


Ein wichtiges Ziel des ASC sei es, so die promovierte Sportwissenschaftlerin, jedem den Zugang zu Sport und Bewegung zu ermöglichen. Eine Kinderbetreuung sorge für die Vereinbarkeit von Familie und Bewegung. Körperlich eingeschränkte Menschen könnten einen Fahrdienst in Anspruch nehmen. Bei der Konzeption des neu eröffneten Sportcentrums auf den Zietenterassen sei zudem großer Wert auf Barrierefreiheit gelegt worden. So ermöglichten beispielsweise Tafeln mit Blindenschrift an den Geräten des Fitnessstudios sehbehinderten Menschen ein autarkes Training. Das Centrum ist zudem auf die unterschiedlichsten Herausforderungen der Gegenwart ausgerichtet. Neben einem Fitnessstudio und diversen Kursräumen besteht es unter anderem aus einem Reha-Raum sowie ein Kursraum mit Tageslichtlampen, der die Therapie psychischen Erkrankungen wie Depressionen durch Licht und Bewegung unterstützen kann.

Die größte Stärke des Vereinsangebots sieht Henze in seiner sozialen Komponente: „Wir verstehen uns als Begegnungsstätte, in der man ganz nach dem eigenen Bedürfnis in Kontakt und gemeinsam in Bewegung kommen kann.“


Auch in der Region gibt es viele Möglichkeiten

Ein Blick auf die Vereine der Region zeigt, dass die Möglichkeit der gemeinsamen Bewegung nicht auf die Stadt begrenzt ist. Auch wenn es insgesamt schwierig sei, die Menschen von den Bildschirmen weg und in Bewegung zu bekommen, so Mathias Lange, Vorsitzender des SC Blau Weiß Friedland, verzeichne sein Verein einen guten Zulauf. Der Vorstand investiere vor allem in gut geschulte Trainer und ein abwechslungsreiches Angebot. Dies zeigt auch die Website des Vereins. So können sich Teilnehmer eines „Drums Alive“-Kurses ausgestattet mit Drumsticks auf Fitnessbällen fit-trommeln und dabei laut Beschreibung ihre Durchblutung und Sensomotorik fördern. Das Trommelworkout diene zudem dem Stress- und Aggressionsabbau.

Zur Philosophie des Vereins gehöre es, in Sachen Bewegung schon bei der Jugend anzusetzen, so der Vorsitzende. Neben den klassischen Vereinssportarten liege der Fokus deshalb vor allem auf Kinderturnen und Kindertanzen ab 2,5 Jahren. „Grade das Tanzen ist ein guter Ansatz, um Kinder für Bewegung zu motivieren und dabei die Motorik und das Körperempfinden zu schulen“, so Lange.

Bei Teenagern scheint der Vereinssport trotz Kursvielfalt jedoch weniger beliebt zu sein. Sowohl Henze als auch Lange berichten von niedrigen Mitgliederzahlen bei den 13- 18-Jährigen.


Fitnessstudios bei Teenagern sehr beliebt

Anders sieht die Lage bei Fitnessstudios aus. Zu den Kunden der Göttinger Kraftwerk-Fitnessstudios gehörten laut Trainer Kevin Baar auch einige Jugendliche. Baar führt dies vor allem auf das modernere Image von Fitnessstudios im Zeitalter sozialer Medien zurück. In den zwei Göttinger Studios können Jugendliche ab zwölf Jahren trainieren. Der lange vorherrschenden Annahme, dass das frühe Training mit Gewichten schädlich für die Entwicklung sei, setzt Baar neue Erkenntnisse entgegen, nach denen ein angeleitetes Training besonders im Teenager-alter förderlich sei.

Das Altersspektrum der Fitnessstudio-Besucher sei jedoch insgesamt breit. Den Kern bildeten 30-bis 40-Jährige, aber auch Senioren nutzen das Geräte- und Kursangebot. Als Anreiz von Fitnessstudios nennt Baar die Möglichkeit zur Flexibilität. Je nach Bedürfnis könne man sich allein, mit persönlichem Trainer oder in der Gruppe bewegen. Als eines von mehreren Fitnessstudios in Göttingen habe das Kraftwerk zudem rund um die Uhr geöffnet. Von Hannah Rudolph


Nyon. Um mehr Mädchen für den Fußball zu begeistern, hat die Europäische Fußball-Union UEFA mit dem Entertainment-Konzern Disney eine ungewöhnliche Initiative gestartet. Bei dem Projekt „Playmakers“ soll mit einem Erzählansatz mit beliebten Disney-Figuren „mehr Mädchen der Spaß an regelmäßiger körperlicher Betätigung und Fußball näher gebracht werden“, wie die UEFA mitteilte.

Der Dachverband verwies auf wissenschaftliche Untersuchungen, wonach sich die „positive Rolle des Geschichtenerzählens bei der Aufnahme von Sport bei Kindern“ zeige. Die ersten zehn Trainingseinheiten von „Playmakers“ folgen der Erzählung des Kinofilms „Incredibles 2“. Kinder sollen mit der Hilfe von Fußbällen, Leibchen oder Kegeln ermutigt werden, bestimmte Rollen zu spielen und die Szenen des Films „durch Bewegung, Teamarbeit und Fantasie“ zum Leben zu erwecken.

Sieben Nationalverbände (Schottland, Norwegen, Belgien, Polen, Österreich, Rumänien und Serbien) werden nach UEFA-Angaben „Playmakers“ sogar in Schulen und Vereinen einführen, um fünf- bis achtjährige Mädchen zu erreichen, die derzeit noch nicht Fußball spielen. Die UEFA will die Zahl der Fußball spielenden Frauen und Mädchen in Europa bis 2024 auf 2,5 Millionen verdoppeln. dpa

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