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Home Sonderthemen Pflege Urlaubsreisen für Menschen mit Demenz
13:54 21.09.2018
Individuell organisierte Reisen bieten die Möglichkeit, dass der Aufenthalt ganz nach den eigenen Wünschen bestimmt werden kann. FOTO: R

In den letzten Jahren sind zahlreiche Urlaubsangebote entstanden, die speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zugeschnitten sind. Sie sollen Erkrankten und Angehörigen eine positive gemeinsame Zeit bescheren und die Angehörigen möglichst entlasten. Urlaubsreisen sind in der Biografie der meisten Menschen mit angenehmen Erinnerungen verknüpft. Damit der Urlaub gelingt, kommt es darauf an, dass der Rahmen (Anreise, Unterkunft, Betreuung, Aktivitäten) so gestaltet ist, wie es den individuellen Bedürfnissen entspricht. Derartige Reisen werden von Alzheimer- Gesellschaften und anderen Anbietern organisiert. Ein Teil der Pflege- und Betreuungskosten kann, auf Antrag, von der jeweiligen Pflegekasse erstattet werden.

Betreuter Urlaub in der Gruppe

Gruppenreisen sind meist so organisiert, dass die Erkrankten einen Teil des Tages von geschulten Fachkräften, Helferinnen und Helfern betreut werden. Die Angehörigen haben in dieser Zeit frei. Sie können beispielsweise im Liegestuhl entspannen, Ausflüge unternehmen oder Informations- und Gesprächsangebote wahrnehmen.

Ebenso werden in der Regel gemeinsame Unternehmungen und gesellige Veranstaltungen angeboten. Der Betreute Urlaub kann den Angehörigen Entlastung vom Pflegealltag ermöglichen, ohne dass dabei der enge Kontakt zu den Erkrankten verloren geht. Gruppenreisen bieten die Gelegenheit zu Geselligkeit und Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen und Menschen mit Demenz. Oft entstehen dabei neue soziale Kontakte und sogar Freundschaften, die nach der Reise weiter gepflegt werden.

Die Leitung der Unterkunft und das Personal sollten ein Grundwissen über Demenz und den Umgang mit demenzkranken Menschen haben. Kleine Veränderungen im Zimmer, wie zum Beispiel das Abhängen beziehungsweise Abdecken des Spiegels sollten problemlos möglich sein.

Begleitpersonal für den Betreuten Urlaub

Wichtig für das Gelingen eines Betreuten Urlaubs ist, dass genug qualifiziertes Personal für Pflege, Betreuung und Unterstützung vor Ort ist. Neben einer Pflegekraft mit entsprechenden Fachkenntnissen, sollten ehrenamtliche Helferinnen und Helfer dabei sein, gegebenenfalls auch Praktikantinnen und Praktikanten. Die Ehrenamtlichen unterstützen die Fachkräfte bei der Betreuung und geben den Angehörigen Hilfestellungen bei den gemeinsamen Ausflügen und Aktivitäten. Sie sollten vor Antritt der Reise eine Schulung besuchen, in der grundlegendes Wissen über Demenzerkrankungen, zur Kommunikation und dem Umgang mit schwierigen Verhaltensweisen vermittelt wird.

Individuell organisierte Reisen

Individuell organisierte Reisen bieten die Möglichkeit, dass Reisezeiten, Reiseziele und die Dauer der Reise ganz nach den eigenen Wünschen bestimmt werden können. Es können Hotels genutzt werden, die vornehmlich Menschen mit Demenz beherbergen und auf deren Bedürfnisse gut eingestellt sind. Am Urlaubsort können die Erkrankten in der Regel durch einen ambulanten Pflegedienst oder in einer Tagespflege betreut werden. Durch die Spezialisierung können sich Menschen mit Demenz unbefangen im Hotel bewegen, was zu einer entspannten Urlaubsatmosphäre beiträgt. Auch hier sollten sich Angehörige genau informieren, ob die Unterkunft und Betreuung zu den individuellen Bedürfnissen passt. dag


Dr. Katrin Radenbach (li.), ärztliche Leitung der Tagesklinik für ältere Menschen und Dr. Ruth Vukovich (re.), ärztliche Leitung der Gedächtnisambulanz. MAVRIDOU
Dr. Katrin Radenbach (li.), ärztliche Leitung der Tagesklinik für ältere Menschen und Dr. Ruth Vukovich (re.), ärztliche Leitung der Gedächtnisambulanz. MAVRIDOU

Wenn Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen auftreten, machen sich viele Menschen große Sorgen: Kann eine Demenz dahinter stecken? Zusätzlich stellen sich manchmal gleichzeitig Stimmungsverschlechterungen, Schlafstörungen und Antriebsmangel ein. Diese Krankheitszeichen können auf eine Depression hinweisen, die die Gedächtnisstörung begleitet, die ihr aber auch zugrunde liegen kann. Auch Ängste oder andere Symptome können vorkommen und Anlass zur Sorge geben.

In der Tagesklinik für ältere Menschen der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen kann genau untersucht werden, welche Ursache der Gedächtnisstörung zugrunde liegt. Durch eine ausführliche neuropsychologische Testung können Gedächtnisdefizite objektiviert und eingeordnet werden. Blutuntersuchungen, eine Bildgebung des Kopfes und andere Verfahren liefern weitere Hinweise auf Art und Ursache der Beschwerden. Ist die Ursache einer Gedächtnisstörung ermittelt, kann mit der Behandlung begonnen werden. Auch begleitende seelische Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen werden gezielt behandelt – medikamentös und psychotherapeutisch.

In der Tagesklinik für ältere Menschen der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen arbeitet ein Team von Ärzten, Psychologen, Pflegekräften, Sozialpädagogen, Ergo- und Physiotherapeuten eng zusammen. Dadurch wird neben der Diagnostik eine umfassende, ganzheitliche Behandlung mit Einzel- und Gruppenangeboten möglich. Dazu gehören neben der medikamentösen Therapie zum Beispiel psychotherapeutische Einzelgespräche, eine Psychotherapiegruppe, Ergotherapie, Krafttraining, das Erlernen von Entspannungsverfahren, Musikmeditation, aber auch alltagspraktische Angebote, wie eine Koch- und eine Backgruppe. Die Einbeziehung und Beratung der Angehörigen ist Teil des Behandlungskonzepts.

Die Tagesklinik bietet 25 Behandlungsplätze für Menschen mit seelischen Erkrankungen in der zweiten Lebenshälfte. Erst vor einem Jahr erfolgte ein Umzug in neue, modernisierte und an die Bedürfnisse älterer Menschen angepasste Räumlichkeiten in der Von-Siebold-Str. 3. Das Behandlungsangebot richtet sich an Menschen ab etwa dem 60. Lebensjahr mit seelischen Erkrankungen, die keiner stationären Therapie bedürfen. Den Abend, die Nacht und die Wochenenden verbringen die Patienten zu Hause in ihrer vertrauten Umgebung. Bindungen zur Familie, zu Bekannten und Freunden sowie ein Teil des Alltags bleiben erhalten.

Neben der Untersuchung und Behandlung von Gedächtnisstörungen und Demenzen werden in der Tagesklinik vor allem Menschen mit Depressionen und Angsterkrankungen aber auch mit allen anderen seelischen Erkrankungen behandelt. Die Tagesklinik für ältere Menschen ist Teil des gerontopsychiatrischen Schwerpunkts der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen. Es erfolgt eine enge Zusammenarbeitmit den anderen gerontopsychiatrischen stationären und ambulanten Einheiten innerhalb der Klinik.

Dazu gehört insbesondere die Gedächtnisambulanz, eine Spezialsprechstunde für Menschen mit Gedächtnisstörungen und deren Angehörige. Wenn eine tagesklinische Behandlung nicht erforderlich ist, können auch hier die relevanten Untersuchungen organisiert und bei Vorliegen einer Demenz eine Behandlung begonnen werden. Der Schwerpunkt der Arbeit in der Gedächtnisambulanz ist die Früherkennung dementieller Erkrankungen. Unter anderem durch die Teilnahme an wissenschaftlichen Projekten können neueste Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten angeboten werden. Für Angehörige von Demenzpatienten gibt es in der psychiatrischen Klinik mehrere Möglichkeiten zur Beratung und auch zum Austausch untereinander.

Termine für ein Informationsgespräch in der Tagesklinik für ältere Menschen können unter Tel. 0551-39-65360 vereinbart werden (Mo –Fr 08.30–15.00 Uhr). Ambulante Termine in der Gedächtnisambulanz werden über die zentrale Terminvergabe unter Tel. 0551-39-4777 ausgemacht. r

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