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Home Sonderthemen Job & Karriere „Unsere Kernaufgabe ist, Menschen in Arbeit zu bringen…
11:06 19.11.2018
Integrations- und Deutschkurse für Geflüchtete finden an der Levinstraße statt. FOTO: R
Jugendhilfe Göttingen e.V.
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Arbeitsmarkt- und Flüchtlingsprojekte sind das täglich Brot von Gudrun Steinmetz. Dazu gehören das Bildungszentrum für Flüchtlinge und Projekte des zweiten Arbeitsmarkts. „Quasi von Beginn an“, so Steinmetz, gebe es die Konzentration auf Beschäftigungsmöglichkeiten. Seit 30 Jahren also sorgt die Beschäftigungsförderung Göttingen (kAöR) dafür, dass Menschen in Arbeit kommen.

Was auf den ersten Blick simpel scheint, umfasst ein komplexes System aus verschiedenen Integrations- und Qualifizierungsketten. „Da ist die Quartierarbeit. Menschen mit Schwierigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt können bei uns üben oder ausprobieren, was sie machen wollen und können. Wir haben Mitarbeiter auf dem Bau sowie im Garten- und Landschaftsbau“, erklärt Steinmetz. Im Sommer seien Menschen „in die Bäume geklettert, um das Obst zu ernten“. Streuobstwiesen und Obstbäume, um die sich sonst niemand kümmere, habe die Initiative ins Auge gefasst. „Im Sommer haben wir die Bäume gegossen und gepflegt. Das wollen wir auch langfristig mit der Stadt vorantreiben, dass sich unsere Mitarbeiter auch in Zukunft um die Streuobstwiesen kümmern.“

Mitarbeiter, das sind in diesem Fall die sogenannten Quartierarbeiter, die einen vom Staat geförderten Arbeitsvertrag haben und durch diese Tätigkeit Erfahrungen sammeln, die ihnen auf dem ersten Arbeitsmarkt zugutekommen sollen. Soziale Teilhabe ist der offizielle Begriff für diese Art der Beschäftigung. „Die Quartierarbeiter haben wir damals über ein EU-Projekt eingestellt. Der Name kam, weil sie im Quartier für das Quartier gearbeitet haben. In diesem Rahmen ist das Weststadtzentrums entstanden. Dort geben die Mitarbeiter Sprachunterricht, betreuen die Nähkurse oder helfen bei Formularen.“ Im Quartier für das Quartier. Ein Motto dem sich die Beschäftigungsförderung an mehreren Stellen verschrieben hat. Dahinter versteckt sich das Ziel, vor Ort für die Menschen da zu sein und sie mit niedrigschwelligen Angeboten abzuholen. An einigen Stellen fließen die einzelnen Bausteine der Arbeit von Gudrun Steinmetz und ihrem Team zusammen: „Die Qualifizierungsmaßnahmen sind oft der Übergang vom Sprachkurs in den Beruf. Das Konzept hat sich bewährt. Nicht nur für Geflüchtete, sondern auch für andere Menschen mit Migrationshintergrund. Da haben wir schon viel helfen können und haben viele Menschen in den Beruf gebracht.“

Das Bildungszentrum für Flüchtlinge sei in enger Abstimmung mit der Stadt entstanden: „Für uns war ganz klar, dass für die Geflüchteten in Göttingen ab dem ersten Tag was getan werden muss!“ Gemeinsam mit dem Fachbereich Soziales habe man dafür gesorgt, dass Geflüchtete ab dem Tag der Ankunft zunächst ein verbindliches Sprachkursangebot erhalten. Darauf sollten weitere Qualifizierungen und ein Übergang in Arbeit folgen. „Das mit dem verbindlichen Angebot zum Sprachkurs ist neu – in anderen Kommunen gibt es eine solche Einrichtung wie uns nicht – da waren viele Geflüchtete nicht langfristig versorgt, es gab keine Planung, keine Kontinuität. Aber wir haben uns gesagt: Wir brauchen eine Bildungshilfe für Flüchtlinge.“

Seit 2015 seien viele Geflüchtete geschult worden. Steinmetz spricht von 200 bis 300 Menschen pro Jahr. In den Höchstzeiten seien in den sechs Kursräumen jeden Tag zwischen 15 und 20 Personen unterrichtet worden. Jeden Tag, mindestens 20 Stunden die Woche.

Nach ihren Zielen befragt, überlegt Steinmetz kurz und erklärt dann nachdrücklich: „Unsere Kernaufgabe ist, Menschen in Arbeit zu bringen. Und wenn sie schon in Arbeit sind, kann man sie auch in bessere Arbeit bringen.“

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