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Home Sonderthemen Freizeit & Familie Obernfeld: Renovierung der St.-Blasius-Kirche
12:45 13.08.2020
Helmut Steinmetz zeigt Reste einer alten Kirchturmuhr, die noch im Turm lag. FOTOS: HINZMANN

Das Kirchturmdach der katholischen St.-Blasius-Kirche in Obernfeld wird saniert. Im Juli ist die Kirchturmbekrönung, bestehend aus Kreuz, Wetterfahne und goldfarbener Kugel, abgenommen worden.

Wegen herabfallender Schieferplatten ist das Umfeld des Turms der Obernfelder St.-Blasius-Kirche seit 2017 abgesperrt. In diesem Jahr wird der Turmhelm neu bedeckt. In dem Zusammenhang haben Mitarbeiter der Werkstätte für Denkmalpflege Quedlinburg die Turmbekrönung abgenommen, die ebenfalls eine Auffrischung erhalten soll.

Der Kirchturm von St. Blasius ist rund 52 Meter hoch. „Es ist einer der höchsten Dorfkirchtürme im Untereichsfeld“, erzählt Architekt Michael Nachtwey. Der Turmschaft sei 1473 aus einem ehemaligen Wehrturm entstanden, ergänzt Kathrin Lenker, die sich um die Homepage der Gemeinde Obernfeld kümmert. Darauf sitze der rund 30 Meter hohe Turmhelm. Diese Höhe des Helms sei eher ungewöhnlich, so der Architekt.

Sanierung des Kirchturms der katholischen St. Blasius-Kirche in Obernfeld. 
Sanierung des Kirchturms der katholischen St. Blasius-Kirche in Obernfeld. 

2014 habe es bereits ein Gutachten wegen der defekten Balken im Turmdach gegeben, erzählt Helmut Steinmetz, Mitglied im Kirchenortsrat. Seither sei bereits über eine Sanierung gesprochen worden. In den Jahren danach seien dann auch immer wieder Schieferplatten vom Turm gefallen. „Immer wenn starker Westwind kam, haben wir unten am Turm Schieferstücke gefunden.“ Extrem sei es im Herbst 2017 gewesen. Daraufhin sei das Umfeld des Turmes abgesperrt worden.

„Die Dachdecker haben erklärt, dass sie lange nicht mehr so schlechten Schiefer abgebaut haben“, erzählte der Architekt. Doch es gab noch weitere Überraschungen, wodurch sich die Arbeiten verzögerten. Es sei Teerpappe gefunden worden, die mit hochgradig krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen belastet war. „Die wird von einer Spezialfirma in Hamburg verbrannt.“ Darüber hinaus sei der Bohlenkranz faul gewesen.

Im Juli wurde nun also die Turmbekrönung abgenommen. Die Turmzier besteht aus einer vergoldeten Kugel, dem Bekränzungsschaft, der Wetterfahne mit dem Schutzpatron St. Blasius und einem Kreuz als Abschlusselement. In der Kugel fanden Gunnar Trull und Andreas Lochmann drei Zeitkapseln, zwei aus dem Jahr 1992 und eine von 1930 – mit Zeitungen und auch einem Münzsatz.


Die Kirche selbst stammt aus dem Jahr 1473. Am 25. April 1626 seien fast alle Häuser des Ortes und auch die Kirche von den Truppen des „Tollen Christian“ angezündet worden, berichtet Alfons Wüstefeld aus der Chronik des Ortes. Vom Gotteshaus seien der massive Turm und die äußeren Umfassungsmauern stehen geblieben. Im Jahr 1662 sei der obere Teil des Turmes wieder errichtet worden. Der Anbau der Kirche sei am 24. Juni 1914 vom damaligen Hildesheimer Bischof Adolf Bertram geweiht worden. Bischof Bertram sei im gleichen Jahr als Fürstbischof Nachfolger des gebürtigen Duderstädter Kardinals Georg von Kopp im Fürstbistum Breslau geworden.

Die Bauarbeiten sollen im November abgeschlossen sein. „Unser Ziel ist, vor dem 1. Advent fertig zu sein“, erklärt Nachtwey. Eine Sache ist ihm und dem Kirchenortsrat wichtig. „Das ist eine Baustelle“, betont Nachtwey, „und kein Kinderspielplatz.“ Denn in der Vergangenheit sei es mehrfach vorgekommen, dass Menschen, darunter sogar eine Familie mit drei Kindern, auf das Turmgerüst geklettert seien, so Steinmetz. Das sei nicht nur gefährlich, sondern auch strafbar, ergänzt der Architekt.

Für die Sanierung des Kirchturms wurden bereits verschiedene Spenden gesammelt. Die Messdiener, das Musikteam, die Frauengemeinschaft und die Kolpingsfamilie haben sich unter anderem daran beteiligt. rf
  

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