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Home Sonderthemen Gesundheit Kurzkettige Fettsäuren
07:39 11.03.2019
Je größer die Vielfalt der Bakterien im Darm, desto stärker unser Schutzschild vor Erkrankungen. FOTO: FOTOLIA

Herne . Je mehr Ballaststoffe jemand isst, desto geringer ist das Risiko für häufige Zivilisationskrankheiten, fanden neuseeländische Wissenschaftler der Universität Dunedin jetzt in einer neuen Studie heraus. Die neuseeländischen Forscher um den Ernährungswissenschaftler Dr. Andrew Reynolds analysierten in ihrer „Mega-Studie“ rund 200 Veröffentlichungen und die Ergebnisse von rund 60 klinischen Untersuchungen. Allein an den klinischen Studien hatten rund 5.000 Menschen teilgenommen. Die Ergebnisse sind eindeutig: Das Risiko für häufige Krankheiten - wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auch Darmkrebs - sank mit erhöhter Zufuhr von Ballaststoffen von etwa 25 bis 30 Gramm täglich um bis zu ein Drittel, zitiert die Ärztezeitung aus der Studie, die in dem Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht wurde.

Das Problem: 90 Prozent der Menschen erreichen die empfohlenen Mindestmengen an Ballaststoffen von etwa 30 Gramm täglich nicht. Darauf verweisen auch die Autoren der Studie. Demnach liegt die verzehrte Ballaststoffmenge in den meisten Nationen deutlich unter 20 Gramm am Tag.


Kurzkettige Fettsäuren sind der Grund, warum Ballaststoffe so wertvoll sind


Lange war unklar, was Ballaststoffe so essenziell macht. Heute weiß man: Ballaststoffreiche Kost führt dazu, dass im Darm besondere Fettsäuren produziert werden, die eine Reihe von Erkrankungsrisiken deutlich reduzieren. Ballaststoffe dienen bestimmten Bakterien im Darm als Nahrungsquelle. Die Bakterien wiederum bilden daraus so genannte kurzkettige Fettsäuren. Der Schlüssel für eine gute Gesundheit scheint die Fähigkeit diese kurzkettigen Fettsäuren zu sein, die Darmflora gezielt positiv zu verändern und eine ungünstige Zusammensetzung der Darmbakterien zu korrigieren.

Der Schlüssel für Darmgesundheit, Immunsystem, Stoffwechsel

Kurzkettige Fettsäuren dienen nach dem aktuellen Stand der Forschung besonders denjenigen Darmbakterien als „Futter“, die eine besondere Schutzfunktion für den Menschen haben. Sie können Entzündungen im Körper verhindern und vor einem Angriff des menschlichen Organismus auf körpereigene Zellen schützen, der Ursache für zahlreiche Autoimmunerkrankungen - wie etwa Multiple Sklerose, Schuppenflechte, Rheuma oder Allergien. Neuesten Forschungsergebnissen zufolge könnten kurzkettige Fettsäuren auch helfen, Knochen stabiler zu machen und Gelenkentzündungen zu lindern. Bekannt ist auch, dass sie die eigene Körperabwehr besser ausbalancieren und damit das Immunsystem stärken. Kurzkettige Fettsäuren wie die Propionsäure können zudem helfen, den Cholesterinspiegel zu senken oder den Appetit zu reduzieren.

Gezielte Aufnahme kurzkettiger Fettsäuren kann Mangel ausgleichen

Es ist also sehr wahrscheinlich, dass es die kurzkettigen Fettsäuren sind, die Ballaststoffe für den Organismus so essenziell machen. Nehmen wir zu wenige Ballaststoffe - also Pflanzenfasern - auf, kann der Körper nicht ausreichend dieser wertvollen kurzkettigen Fettsäuren produzieren. Denn den Bakterien wird durch die zu geringe Verfügbarkeit von Pflanzenfasern und Ballaststoffen die Nahrungsgrundlage entzogen. Die gute Nachricht: Vieles deutet heute darauf hin, dass sich der Mangel, der durch eine ballaststoffarme Ernährung entsteht, durch die gezielte Zufuhr kurzkettiger Fettsäuren ausgleichen lässt.

So wiesen beispielsweise Forscher des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke nach, dass die Zufuhr von Propionaten ähnlich positive Effekte hat wie der Verzehr von Pflanzenfasern. In Deutschland ist hochreines Propionat unter dem Handelsnamen Propicum rezeptfrei erhältlich. Propicum kommt auch in zahlreichen medizinischen Studien zum Einsatz.

Zahlreiche Forschungsvorhaben

Viele Mediziner sind heute überzeugt: Die Tatsache, dass viele Menschen offenbar zu wenige kurzkettige Fettsäuren selbst produzieren wegen zu geringer Ballaststoffaufnahme, ausgelöst durch die ungünstige Ernährung, könnte also eine wesentliche Ursache für den Anstieg von Zivilisationskrankheiten wie Allergien, Autoimmunerkrankungen oder Diabetes Typ 2 sein. Deutsche und auch internationale Hochschulen forschen derzeit intensiv daran, wie sich mit kurzkettigen Fettsäuren die Nachteile moderner ballaststoffarmer Ernährung ausgleichen lassen. obx-medizindirekt


Bandscheibe oder ISG? Ärzte können die richtige Diagnose stellen. FOTO: IFUSE-IMPLANTAT
Bandscheibe oder ISG? Ärzte können die richtige Diagnose stellen. FOTO: IFUSE-IMPLANTAT

Ob altersbedingt, aufgrund eines Hohlkreuzes oder nach der Geburt eines Kindes: Gesundheitliche Schwierigkeiten mit dem Iliosakralgelenk (ISG), der Verbindung zwischen Darm- und Kreuzbein, treten bei vielen Menschen auf. „Probleme mit diesem sensiblen Gelenk äußern sich meist durch Schmerzen im unteren Rücken, vor allem beim Sitzen oder Beugen sowie Drehen des Rumpfes“, erklärt Dr. Alfred Huber, Facharzt für Neurochirurgie in Kempten. „Um Beschwerden vorzubeugen, eignen sich am besten mäßige sportliche Betätigungen.“ Doch nicht alle Aktivitäten erweisen sich als ISG-freundlich.

Heute Freund, morgen Feind

Gerade im Alltag wird das Iliosakralgelenk immens beansprucht. Doch der Begriff „Gelenk“ führt hierbei etwas in die Irre. „Beim ISG handelt es sich nicht um ein Kugelgelenk, wie etwa an Hüft- oder Schulterknochen, sondern um ein flaches Gelenk, das einen sehr eingeschränkten Bewegungsspielraum hat“, erklärt der Experte. Aufgrund ihrer besonderen Form ist diese Gelenkart jedoch besonders anfällig für Stöße und andere Einwirkungen, die das ISG im schlimmsten Fall verschieben können. Ein leichter Sturz auf das Gesäß reicht oftmals aus, um größere Rückenschmerzen entstehen zu lassen. Hierbei löst sich das ISG aus seiner Verankerung und die stabilisierenden Bänder und Muskelstränge werden zunehmend beansprucht – Betroffene leiden infolgedessen an schmerzhaften Rückenbeschwerden. Ebenso können Fehlhaltungen des Körpers, beispielsweise aufgrund zweier ungleich langer Beine, Schäden am Gelenk herbeiführen. „Gerade in Berufen, in denen langes Sitzen am Schreibtisch die Regel ist, sollte auf eine aufrechte Rückenhaltung und viel Bewegung geachtet werden“, verrät Dr. Huber. Doch nicht nur physische Einwirkungen können das ISG beeinträchtigen. Stress und Unruhe führen oftmals zu einer innerlichen und auch unbewussten körperlichen Anspannung. Regelmäßige Auszeiten und Entspannungsphasen schaffen schnelle Abhilfe und fördern neben der körperlichen Gesundheit auch noch die Lebensqualität. Wenn es trotz aller Vorsicht zur Beschädigung des ISG kommt, leisten zunächst Therapieansätze aus verschiedenen medizinischen Bereichen Abhilfe. Oftmals hilft jedoch nach jahrelangen Schmerzen schlussendlich nur noch ein operativer Eingriff. Noch vor 10 Jahren gehörte die Versteifung des beanspruchten Segments mit starren Schraubsystemen zum Behandlungskonzept. „Hier hat sich die Medizin enorm weiterentwickelt“, bestätigt Dr. Huber. „Heutzutage profitieren Patienten von neuartigen iFuse-Implantaten.“ Aufgrund ihrer porösen Oberflächenstruktur, bekannt aus der Hüftprothetik, verwachsen diese schonender mit dem umliegenden Gewebe. Für Stabilität sorgt dabei eine dreieckige Form mit Titankern. Nach kürzester Zeit können Patienten ihrem gewohnten Alltag ohne Einschränkung wieder nachgehen. Ein weiterer Vorteil: Krankenkassen übernehmen die Kosten.

Rückenfit durch den Tag

Um einer Erkrankung am ISG langfristig entgegenzusteuern, sollten neben mäßiger sportlicher Betätigung auch viel frische Luft im Alltag Platz finden. Körperliche Fitness stellt neben regelmäßigen Entspannungsphasen einen wichtigen Bestandteil für einen intakten Bewegungsapparat dar. Bestimmte Dehnund Bodenübungen können die Becken- und Rumpfmuskulatur stärken und das ISG entlasten. Hierbei sollten Sportbegeisterte jedoch darauf achten, die Rücken- sowie auch Bauchmuskulatur gleichmäßig zu trainieren, um mögliche Fehlhaltungen zu verhindern. Experten empfehlen zudem Aktivitäten wie regelmäßige Schwimmeinheiten oder lockeres Spazieren auf ebenem Untergrund. In jedem Fall sollten Betroffene sich vor einer sportlichen Betätigung ausreichend dehnen, um die Muskeln auf das Training vorzubereiten. „Im Anschluss können wohltuende Massagen echte Wunder bewirken. Die fördern die Durchblutung und schaffen Abhilfe bei möglichen Muskelverspannungen. Ein abschließender Gang in die Sauna wirkt zudem vorbeugend gegen Muskelkater“, verrät der Mediziner.

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