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Home Sonderthemen Freizeit & Familie Mit Pferdekutsche und Lastenrad
15:14 06.03.2019
Rohstoffe werden zu hochwertiger Schwarzerde verarbeitet. FOTO: R
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Geismar. Die Gründung einer „Solidarische Humus Wirtschaft“ am 20. März im Geismaraner Gemeindehaus St. Martin, ist das vorläufige Ergebnis eines Projekts, das Anfang Juni 2017 auf einem ökologisch betriebenen Hof am Stadtrand von Geismar seinen Anfang genommen hat.

Dort werden Pferde und Esel gehalten – und es fallen täglich sechs Schubkarren Pferdeäpfel als Hinterlassenschaften der Tiere an. Es ist ein kostbarer Rohstoff, der auf ökologischem Weg in fruchtbare Erde verwandelt werden kann. Bei normaler Verrottung entstünden jedoch eine Menge schädlicher Gase, heißt es auf der Internetpräsenz humusbildung-goettingen.de.

Werde aus dem Dung aber „Terra-Preta“ (Schwarzerde) verarbeitet, würden im Verwandlungsprozess diese Gase kaum austreten. Und als fertiges Produkt soll Terra Preta in der Lage sein, Kohlendioxid aus der Luft zu binden und so als Kohlendioxid-Senke zu fungieren. Terra Preta könne „erschöpfte Böden“ regenerieren und in seiner Verteilung zum Klimaschutz beitragen. Anders als bei der gängigen Mist-Verrottung würden bei Terra Preta keine klimaschädlichen Gase entstehen, sagt Projektleiterin Helgard Greve.

Aus Hofabfällen wird Schwarzerde

„Diesen Prozess wollen wir in Gang setzen, indem wir die Rohstoffe, die auf dem kleinen Hof anfallen (Pferdeäpfel, Holz, Lehm, Heckenschnitt, Pflanzenabfälle) an Ort und Stelle zu hochwertiger Schwarzerde verarbeiten“, ist auf humusbildunggoettingen.de weiter zu lesen. Und es geht noch einen Schritt weiter: Im Stadtteil des Hofes liegen eine Reihe Gartenkolonien und Hausgärten. Diese will die „Solidarische Humus Wirtschaft“ auf klimaneutrale Weise mit der erzeugten Terra Preta beliefern – mit Pferdekutsche und Lastenrad. Darüber hinaus soll es Seminare zum Humusaufbau im eigenen Garten sowie Informationsveranstaltungen zu Regenwürmern und Bodenleben geben. „So wird ein Garten-Netzwerk geknüpft“.

Vitale Pflanzen wachsen nur auf lebendigen Böden

Lebendige Böden sind mächtige Kohlendioxid-Speicher. Böden, würden sie „agro-industriell“ bewirtschaftet, sterben nach und nach ab und verlieren die Speicher-Eigenschaft, klärt der Verein „Göttingen im Wandel“ – eine Transition Town Initiative, Betreiber der Internetseite, auf. Sie würden auf diese Art sogar zu Kohlendioxid-Quellen. „Hier können sich dann die Pflanzen nur noch über Kunstdünger ernähren, der sie aus ihrer Lebensgemeinschaft reißt: den Pilzen und Bakterien und Kleinstlebewesen, mit denen sie doch von ihren Grundbedürfnissen her in ständigem Austausch stehen wollen. Das schwächt die Pflanzen und macht sie anfälliger gegen Krankheiten.“ Vitale Pflanzen seien zum Überleben wichtig, sie seien „unsere wichtigsten Verbündeten, wenn es uns um die Heilung unserer Ökosysteme geht“. Vitale Pflanzen würden nur auf lebendigen Böden wachsen.

Ökologischer Dauerhumus Terra Preta

Terra Preta ist portugiesisch und steht für „Schwarze Erde“. Um sie von der natürlich gewachsenen Schwarzerde zu unterscheiden, wird sie auch „die schwarze Erde aus dem Regenwald“ genannt. Forscher hätten sie im Amazonasgebiet gefunden, und auf eine frühe Besiedlung dieser Gegend durch hochentwickelte Zivilisationen geschlossen, die es verstanden, im Einklang mit der Natur zu leben, so der Verein Göttingen im Wandel. Aus dieser Terra-Preta-Melange aus Holzkohle, Tonscherben, Knochen, Spuren menschlicher und tierischer Fäkalien sowie Asche habe sich mit der Zeit eine dicke, mindestens 2000 Jahre alte Humusschicht gebildet, also Dauerhumus. „In der Natur gibt es keine Abfälle, nur Kreisläufe“, gibt der Verein zu bedenken und nimmt sich vor, die Geschichte von Terra Preta in Geismar fortzuschreiben.

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