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Home Sonderthemen Freizeit & Familie „Männerwerkstatt“ für demente Bewohner
16:03 03.07.2019
Eröffnung der Männerwerkstadt mit Schlüsselübergabe im Garten des Seniorenheimes Johannishof in Rosdorf. FOTO: SCHUBERT
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Rosdorf. Es ist vermutlich das erste und einzige Projekt dieser Art in ganz Norddeutschland: In einer „Männerwerkstatt“ im Rosdorfer Seniorenheim Johannishof sollen demente Männer ein Stück mehr Lebensqualität und vor allem Erinnerungen (zurück-)bekommen. Jetzt hat der Förderverein Johannishof das neue Blockhaus mit Werkstatteinrichtung übergeben.

Mit dem Projekt geht das Altenzentrum des Diakonischen Werkes Rosdorf ganz neue Wege in der Pflege. Und es reagiere damit auf eine Entwicklung, die in nahezu allen Senioreneinrichtungen an Bedeutung gewinnt, erklärt Pflegedienstleiterin Maren Weck: Es gibt dort immer mehr Männer. Im Johannishof seien zwölf von 60 Bewohnern männlich. Das sei früher nicht der Fall gewesen. Viele Männer seien in den Weltkriegen gefallen und Männer hatten eine deutlich geringere Lebenserwartung. Die Folge: Fast nur Frauen kamen in die Altenheime.

Angebote fast nur für Frauen

Das ändere sich inzwischen. Die klassischen Angebote aber seien nach wie vor auf Frauen ausgelegt, ergänzt Katrin Lebensieg, Leiterin des begleitenden und sozialen Dienstes im Johannishof. Kochen und Handarbeit seien wenig ansprechend für die männliche Generation, die jetzt stärker vertreten ist. Ein Problem, das zurzeit in der Branche viel diskutiert werde, so Weck.

Diese Lücke will der Johannishof mit der neuen „Männerwerkstatt“ schließen. Das neue knapp 20 Quadratmeter große Blockhaus im Garten ist ausgestattet mit Werkbänken, Werkzeugen und schon einer Menge Schrauben und Nägeln. Hier sollen sich die Männer künftig beschäftigen können – „und dabei Erinnerungen auffrischen“, sagt Lebensieg. Die meisten der männlichen Bewohner seien altersbedingt kognitiv eingeschränkt, ihre Erinnerung auch an Alltägliches lasse nach.

Klare Rollenaufteilung

Fast alle gehörten aber in eine Generation, in der es eine klare Rollenaufteilung zwischen Männern und Frauen gibt. Letztgenannte waren für Kinder und Küche zuständig, die Männer für härtere Arbeit, Garten und Reparaturen. „Sie kennen alle eine Bohrmaschine und andere Werkzeuge“, so Lebensieg. Wenn sie in der kleinen Werkstatt damit an einfachen Werkstücken arbeiten, würden Erinnerungen an gute Zeiten und an Vertrautes wieder wach. Dies sei wichtig für die unterstützenden Betreuung. Hinzu komme bei den Männern unter den nach wie vor vielen Frauen „auch der Wunsch und das gute Gefühl, in der Werkstatt mit anderen Männern einen gemeinsam eigenen Ort zu haben“.

Diesen gebe es allerdings nicht ohne die Hilfe des Fördervereins Johannishof, bestätigt die Vorsitzende Friederike Bergel. Er hat das Blockhaus gekauft, den Aufbau organisiert und die Werkstatt eingerichtet. Das wiederum sei nur durch die Unterstützung vieler möglich gewesen, so Bergel. Der Energieversorger EAM habe das Projekt über seine Stiftung mit 6000 Euro gefördert. Viele Rosdorfer hätten kleinere Beträge gespendet und die ausführenden Handwerker aus dem Dorf alle Arbeiten ehrenamtlich ausgeführt. Auch bei ihrer künftigen Arbeit in der „Männerwerkstatt“ würden die Bewohner neben den Pflegekräften von Ehrenamtlichen unterstützt, betont Weck. US

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