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Home Sonderthemen Freizeit & Familie Land will Domäne verkaufen – viele sehen das Ruz in Gefahr
08:57 03.01.2019
Hunderte Besucher kommen in jedem Jahr zum Ruz-Kartoffelfest. Ist auch das in Gefahr? FOTO: HELLER

Von Ulrich Schubert  

Reinhausen. Es ist eine Nachricht, die viele Gleichener, aber auch Schulen im ganzen Landkreis, aufschrecken lässt: Im Juni wird bekannt, dass Niedersachsen die landeseigene Domäne in Reinhausen verkaufen will.

Politiker fast aller Parteien in der Gemeinde Gleichen, im Kreistag und Reinhäuser Bürger reagieren empört. Auch die Grünen im Landtag schalten sich ein. Sie alle fürchten um die Zukunft des Regionalen Umweltbildungszentrums (Ruz). Denn die Domäne ist zentraler Standort der staatlich anerkannten Bildungseinrichtung. Zudem bangt der Reinhäuser Ortsrat um mögliche Erweiterungsflächen für das Dorf.

Die zuständige Domänenverwaltung des Landes beim Amt für regionale Landesentwicklung in Braunschweig bestätigt Gespräche mit einem Kaufinteressenten: dem bisherigen Pächter des Hofes und der Ländereien. Der bestätigt ebenfalls, dass er die Domäne übernehmen und mit seinen Teilhabern an einer Produktionsgemeinschaft bewirtschaften möchte.

Zugleich versichert die Domänenverwaltung, das Ruz sei nicht gefährdet. Dabei verweist sie auf eine Nutzungsvereinbarung von 2014. Darin wird der Bildungseinrichtung die Nutzung mehrerer Gebäudeteile (ehemaliger Pferdestall, Gewölbekeller, Geräte-Lagerraum) sowie landwirtschaftlicher Flächen von rund 0,5 Hektar bis 2032 zugesichert. Dass auch Kaufinteressent Jörg Bethmann, Landwirt aus Göttingen und Betreiber der Saline Luisenhall.

Viele bezweifeln aber, dass das Ruz wie bisher weiterarbeiten kann, wenn die Domäne in privater Hand ist. Zu den Zweiflern gehört auch die neue Gleichener Initiative „Bürgerrat“. Den Ortsrat Reinhausen und die Landtags-Grünen erzürnen dabei noch weitere Punkte: Die Ortspolitiker sind sauer, weil sie nach eigenen Angaben bis dahin nicht offiziell über die Verkaufsverhandlungen informiert waren. Die Grünen im Landtag darüber hinaus, weil sie mit dem anstehenden „Deal im Stillen“ das Haushaltsrecht des Landes missachtet sehen – allen voran der Gleichener Abgeordnete Stefan Wenzel. Nach ihrer Ansicht müsste die Domäne offen bewertet und öffentlich ausgeschrieben werden, wenn sie tatsächlich verkauft werden soll. Inzwischen lehnt auch der Göttinger Kreistag mit klarem Beschluss ab. Und der SPD-Bundestagabgeordnete Thomas Oppermann bemüht sich um eine dauerhafte Sicherung der Einrichtung. Während einer Talkrunde in der GT-Townhall sagt außerdem Niedersachsens Umweltministerin Barbara Otte-Kinast (CDU): „Ich will das Ruz erhalten.“

Hinter dem ganzen Deal stecken noch andere Interessen. Die Gemeinde Gleichen wirft, unisono mit mit dem Ortsrat, ein Auge auf Teilflächen der Domäne, um eine Erweiterung von Reinhausen zu sichern. Die Stadt Göttingen und Gemeinde Rosdorf wollen in ihrer Gemarkung Flächen von Bethmann für Wohnungsbau beziehungsweise Gewerbe übernehmen. Der wiederum braucht dafür dann Ersatz, um seinen Betrieb wirtschaftlich abzusichern. Die Gespräche dauern an – das Ergebnis ist offen.

Das Ruz nutzt seit seiner Gründung das Hauptgebäude der Domäne als Schulungszentrum sowie dazugehörige Äcker für Kartoffel- und andere Gemüseanbauprojekte mit Kitas und Schulen. Es gibt einen Kräutergarten, ein Bienenprojekt und Kurse auch für Erwachsene – zum Beispiel zum Obstbaumschnitt. Hinzu kommen Projekte für Schüler mit den Landesforsten und dem Waldpädagogikzentrum Göttingen – und Veranstaltungen wie ein jährliches Streuobst- und Kartoffelfest.


US/FOTO: CH
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So lange haben die Gleichener darauf gewartet, im Sommer geht es endlich los: In Reinhausen wird ein neues Baugebiet erschlossen – für Gewerbe und 23 Wohnhäuser. Im August beginnen die Bauarbeiten für einen sogenannten Nahversorger – einen Netto-Markt. Parallel werden an der L568 Abbiegespuren für das Areal angelegt. Im September folgt der Spatenstich für das weitere Gewerbeund Baugebiet. 15 von 23 Wohneinheiten sind zu diesem Zeitpunkt bereits für Interessenten reserviert. Die Reinhäuser freuen sich besonders auf den Netto-Markt. Schon vor Jahren musste der letzte privat geführte Laden im Dorf schließen, 2017 auch der von Bürgern organisierte Dorfladen.


US / FOTO: CH
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Nach langem Tauziehen gelingt es der Gemeinde Gleichen in diesem Jahr, Grundstück und Gebäude der alten Zuckerfabrik in Rittmarshausen zu kaufen: für 6322 Euro. Das Gelände liegt seit Jahren brach, die Gebäude sind marode und verfallen. Aus Sicherheitsgründen hat die Gemeinde das Areal schon einzäunen lassen. Für viele ist das Areal ein Schandfleck. Die bisherigen Besitzer leben im ehemaligen Jugoslawien und haben sich nicht gekümmert. Die Gemeinde will das Gelände jetzt an einen Unternehmer aus dem Nachbardorf verkaufen. Er will dort unter anderem Boden sieben und verfeinern. Von 1880 bis 1911 wurde dort Zucker gehandelt, später wurde es als Schulungszentrum der Uni Göttingen genutzt, im Zweiten Weltkrieg als Flüchtlingsunterkunft.


Es ist die dritte Auflage und alle Konzerte sind ausgebucht: Im August gibt es auf Schloss Rittmarshausen wieder „Jazz ohne Gleichen“. Das ungewöhnliche Format mit Konzerten internationaler Musiker, Workshops, Symposium und einem Familienfest ist angekommen und gewinnt überregional an Beachtung. Organisiert wird „Jazz ohne Gleichen“ vom Kulturverein Rittmarshausen – ausschließlich ehrenamtlich. Zu den Top-Interpreten und Bands gehören Rahalla, Joe Baron mit Robyn Schulkowsky, Grégory Privat und Fette Hupe. us

Gleichen. Großes Pech für die Gleichener Jugendfeuerwehr: Auf dem Weg in ihr Sommer-Zeltlager Ende Juni fängt ihr Gepäckanhänger auf der Autobahn Feuer. Er wird vollkommen zerstört. Auch sechs Schlafzelte, ein Großzelt, Gepäckstücke, Schlafsäcke, Feldbetten, Elektromaterial, ein Kühlschrank und Zeltbeleuchtung werden ein Raub der Flammen. Die Jugendlichen und ihre Betreuer sind verzweifelt. Aber dann folgt nach der Berichterstattung im Tageblatt eine Welle der Hilfsbereitschaft. Ortsfeuerwehren aus der Region und das THW stellen Zelte zur Verfügung. Viele Menschen wollen Geld spenden, um den Schaden in Höhe von 35 000 Euro zu mindern. us

Lesen statt Telefonieren – Tauschen statt bezahlen: Im August stellen die Diemardener nach langer Suche und Vorbereitung am Planetenweg eine Bücherzelle auf und richten sie ein. Es ist eine ausgediente, gelbe Telefonzelle, ausgestattet mit Regalen. Hier kann jeder Bücher hineinstellen und mitnehmen – einfach so. Viele Ehrenamtliche waren an dem Projekt beteiligt, der Ortsrat hat 500 Euro für den Kauf der Zelle gestiftet. us

Gleichen. Als erste Gemeinde in Niedersachsen verteilt Gleichen in diesem Jahr eine Notfallmappe an alle Haushalte. Sie enthält wichtigen Telefonnummern für einen Notfall. In übersichtlich strukturierten Abschnitten können relevante Daten wie Versichertennummern, Erkrankungen und Medikamente eingetragen sowie Kopien von wichtigen Papieren wie Impfpass und Allergieausweis abgeheftet werden. Die Idee hatte Hans-Gerd Alte-Grevé, unterstützt vom Seniorenbeirat. Die Kosten für die erste Auflage: rund 1800 Euro. us

Im März bricht in Bischhausen ein Pferd bis zum Hals durch die Eisdecke eines Fischteiches ein. Das Wasser ist eisig. Es beginnt eine dramatische Rettungsaktion, an der viele Helfer beteiligt sind. Ein Feuerwehrmann geht selbst ins 6,5 Grad kalte Wasser. Er kann die drei Jahre alte Tinker-Stute ans Ufer lotsen. Unterkühlt, aber weitgehend unversehrt, kann sie mit Feuerwehrschläuchen um den Bauch aufs Trockene gezogen werden. us

Bremke. Bremke wird digital – als bundesweites Modellprojekt. Im November setzt sich das Gleichen-Dorf gegen etwa 230 Mitbewerber durch und wird neben 69 anderen Orten in das Bundesförderprogramm „Land.Digital“ aufgenommen. Das Budget: 300 000 Euro. In den kommenden zwei Jahren sind etliche Einzelprojekte geplant – mit starker Bürgerbeteiligung. Im Gespräch sind bereits ein Messenger-Dienst für den Ort, mehr WLAN-Router für Freifunk und ein Internet-Café im Dorfladen. Zentrales Ziel ist die Förderung der Dorfgemeinschaft „mit digitalen Angeboten, die zur Lebenswelt der Bremker passen“, erklärt Ortsbürgermeisterin Karin Jürgens (parteilos/SPD). us

Reinhausen. Manche haben kaum noch daran geglaubt: Nach über zwei Jahren Bauzeit ist die Brücke für Fußgänger und Radfahrer über den Wendebach bei Bremke fertiggestellt. us


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