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Home Sonderthemen Wirtschaft & Finanzen Notar Klaus Kunstmann Duderstadt: Kann ich mein Testament auch wirksam auf einem Notizzettel aufschreiben?
08:15 01.12.2020
Foto: annazuc – pixabay.com

Es kommt drauf an. Denn wer sein Testament ohne professionelle Hilfe selbst verfasst, muss strenge Formvorschriften beachten. Der Text an sich muss eigenhändig durchgehend mit der Hand geschrieben werden. Es muss mit dem Vor- und Zunamen unterschrieben werden und auch mit der Orts- und Datumsangabe versehen sein.

Sollten diese Vorgaben nicht eingehalten werden, ist es möglich, dass das selbst verfasste Testament unwirksam ist. Dieses hätte dann zur Folge, dass möglicherweise die ungeliebte Verwandtschaft erbt, da dann die gesetzliche Erbfolge gemäß §§ 1924 ff. BGB gilt. Bleibt die Frage unter Berücksichtigung des Vorgenannten: Kann dann ein Testament wirksam auf einem Notizzettel errichtet werden?

Hierüber urteilte das Oberlandesgericht Braunschweig mit Beschluss vom 20. Juni 2019 – 1 W 42/17: „Auch in einem wenige Zentimeter großen handschriftlich beschriebenen Notizzettel kann grundsätzlich ein wirksames Testament liegen.“ Aber: „Eine Erbeinsetzung desjenigen, ,der für mich aufpasst und [mich] nicht ins Heim steckt‘ ist nicht ausreichend bestimmt und daher nichtig.“


Die Erbeinsetzung muss so eindeutig formuliert sein, dass für jedermann klar ist, wer Erbe sein soll.


Bei dieser Entscheidung hatte eine Frau auf einen undatierten sehr kleinen Notizzettel Folgendes aufgeschrieben: „Wenn sich für mich…, geb. am…einer findet, der für mich aufpasst und nicht ins Heim steckt, der bekommt mein Haus und alles was ich habe.“ Dieser Zettel wurde dann nach dem Tod der Frau von der vermeintlichen Erbin und Klägerin beim Nachlassgericht abgegeben, und sie beantragte einen Erbschein, der sie als Alleinerbin auswies. Dabei ging sie davon aus, dass der Zettel ein wirksames Testament sei und sie daher Erbin der verstorbenen Frau geworden wäre.

Klaus Kunstmann FOTO: R
Klaus Kunstmann FOTO: R

Das Oberlandesgericht war aber anderer Auffassung. Die Wirksamkeit des Testaments scheiterte aber nicht daran, dass der letzte Wille auf einem kleinen Notizzettel verfasst wurde, sondern daran, dass hier nicht erkennbar war, wer überhaupt als Erbe eingesetzt werden sollte. Die Erbeinsetzung muss so eindeutig formuliert sein, dass für jedermann klar ist, wer Erbe sein soll. Die Formulierung, der „der auf mich aufpasst und nicht ins Heim steckt“ ist es eindeutig nicht. Den Erben hätte hier ein kostenintensiver und langwieriger Rechtsstreit erspart geblieben sein können, wenn das Testament eindeutige Formulierungen aufgewiesen hätte.

Es ist daher wichtig, sich professionelle Hilfe bei einem Rechtsanwalt oder Notar zu holen. Im Übrigen erspart ein notarielles Testament auch die Beantragung eines Erbscheins für die Erben, wenn Grundbesitz zum Nachlass gehört und der Erblasser statt einem notariellen Testament nur ein handschriftliches Testament errichtet hat. Die Kosten eines Erbscheins entsprechen im Regelfall denen eines notariellen Testaments. Klaus Kunstmann, Notar
     

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