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Home Sonderthemen Freizeit & Familie Hilkerode
16:19 16.07.2020

Die Wildvogelaufnahmestelle in Hilkerode stößt in diesem Jahr an ihre Grenzen – und doch geben die Betreiber weiter ihr Bestes für die Tiere. „Uns erreichen momentan pro Tag zwischen 30 und 60 Anrufe“, so Julia Metternich Mitte Juni gegenüber dem Tageblatt. Zusammen mit ihrem Mann Magnus Duda betreibt sich die Auffangstation der Interessengemeinschaft Wildvogelhilfe Südniedersachsen ehrenamtlich. Die beiden betreuen Vögel, die verletzt sind, oder Jungvögel, die aus dem Nest gefallen sind. In diesem Jahr seien extrem viele Wildvögel gefunden worden, beschreibt Metternich. Das betreffe alle Stationen deutschlandweit. Vielleicht auch, weil viel mehr Menschen in der Natur unterwegs sind. 99 Prozent von diesen Vögeln seien auch tatsächlich hilfsbedürftig, trotzdem konnten Metternich und Duda irgendwann einfach nicht mehr alle Vögel aufnehmen. Die Tiere müssten schließlich mehrmals am Tag sauber gemacht und gefüttert, manche auch mit Medikamenten versorgt werden. Und das mit der nötigen Ruhe – und neben der eigentlichen Arbeit.


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2016 wurden die Auffangstation und der Verein gegründet. Die Zahlen steigen seitdem stetig an. 2016 waren es 70 Vögel im Laufe des Jahres, 2017 schon 230 und 2019 bereits 600 Tiere, so Duda. „Hätten wir in diesem Jahr alle aufgenommen, die uns gemeldet wurden, wären wir jetzt schon bei 600 Vögeln“, sagte er im Juni. Die Pflege sei nicht nur platz- und zeitintensiv, sondern auch ein teures Unterfangen. Die meisten Vögel brauchen vor allem Insekten, „frischtot“, und das sei kostspielig. Medikamente kommen häufig noch dazu. Deswegen nahmen die Hilkeröder ab Mitte Juni nur noch Schwalben, Mauersegler, Greife, Eulen, Buchfinken und Vögel von der Roten Liste der bedrohten Arten auf.

Vielen Anrufern oder auch Nutzern der Sozialen Medien fehlte dafür offenbar das Verständnis. „Wir möchten allen helfen, es geht aber einfach nicht“, so Metternich. Weil sie gerade im Netz immer wieder beschimpft worden sei, habe sie den Facebook-Account der Wildvogelhilfe gelöscht. Die Homepage des Vereins bleibt bestehen, auch die Rufnummern. Metternich und Duda beraten dann auch gern, wo ein Vogel vielleicht alternativ aufgenommen werden kann.

Hilfe fänden Menschen, die einen Vogel gefunden haben, beispielsweise über www.wildvogelhilfe-notfälle.de. Die Ansprechpartner dort seien sehr gut vernetzt. „Die kennen sämtliche Päppelstellen“, erzählt Metternich – auch Privatpersonen, die Amseln, Meisen und Co. aufnehmen. Die Tiere müssen in der Regel zu diesen Stellen gebracht werden.

Über Hilfe freuen sich aber auch Metternich und Duda. Für das nächste Jahr haben sie eine Stelle beim Bundesfreiwilligendienst beantragt. Momentan gebe es viele Arbeiten, bei denen sie Unterstützung gebrauchen könnten. Zudem sind Spenden immer willkommen.

Für allgemeine Anfragen zu Wildvögeln und Beratungen – etwa dazu, wie der eigene Garten vogelfreundlich gestaltet werden kann, oder Nachfragen, wie es Vögeln geht, die abgegeben wurden, gibt es ab sofort feste Zeiten. Montags und mittwochs jeweils zwischen 18 und 19 Uhr können Interessierte anrufen unter 05529 / 210 2200. Für Wildvogel-Notfälle gibt es weiterhin die Handynummer 0178 / 752 687 62. chb

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