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Home Sonderthemen Gesundheit Herz-Kreislauf-System unter Aufsicht stärken
14:27 12.03.2019
Koronarsport: Behutsames Training zur Steigerung der Ausdauer. FOTO: PFÖRTNER
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Von Andreas Fuhrmann und Kathrin Lienig 
 
Göttingen . Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache in Deutschland. Der Bluthochdruck ist die mit Abstand häufigste Herz-Kreislauf-Erkrankung. Die Nummer zwei unter den Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist die koronare Herz-Erkrankung, eine von mehreren Erscheinungsformen der „Arterienverkalkung“ oder Atherosklerose.

Zahlreiche Studien haben nachgewiesen, dass Sport und Bewegung das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Sport und Bewegung sind aber auch nach beispielsweise einem Herzinfarkt zu empfehlen. Viele Vereine in der Region haben Kurse im Angebot, die sich primär an Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen richten – oder präventiv wirken.

„Grundsätzlich muss man zwischen Kursen mit ärztlicher und ohne ärztlicher Verordnung unterscheiden“, sagt Antonia Winkler, Sporttherapeutin beim ASC Göttingen. Unter die Kurse, die vom Arzt verordnet werden, fallen demnach in erster Linie Rehabilitationssport und Funktionstraining. Bei Erkrankungen wie Herzinfarkt, Gehirnschlag, Bypassoperationen nehmen die ambulanten Herzsportgruppen laut Winkler einen großen Stellenwert ein. Diese werden gestaffelt nach Belastungsstärke angeboten. Die Patienten werden nach ihrem individuellen Gesundheitszustand und ihrer Leistungsfähigkeit eingeteilt.

„Der Fokus liegt in den Kursen klar auf der Förderung des Herz-Kreislauf-Systems, es geht also in erster Linie um Ausdauer. Krafttraining ist aber ebenfalls Bestandteil“, erklärt Winkler. Das Training werde unter fachkundiger Anleitung von speziell ausgebildeten Fachübungsleitern für Koronarsport, Sportwissenschaftlern und einem Ärzteteam betreut.

Einige Kurse richten sich eher an Patienten mit leichteren Erkrankungen, die an ihrer allgemeinen Fitness arbeiten wollen. FOTO: GSPO
Einige Kurse richten sich eher an Patienten mit leichteren Erkrankungen, die an ihrer allgemeinen Fitness arbeiten wollen. FOTO: GSPO

Auch Wassergymnastik im Bewegungsbad in der Eiswiese könne helfen, stelle an das Herz-Kreislauf-System wegen des Wasserdrucks aber ganz andere Anforderungen, erklärt Winkler. „Daher ist das nicht für jeden Herzpatienten geeignet.“ Diese Kurse richteten sich eher an Patienten mit leichteren Erkrankungen, die an ihrer allgemeinen Fitness arbeiten wollen.

Kurse, die auch ohne ärztliche Verordnung besucht wer den können, gibt es ebenfalls zahlreich. Sie wirken nach Angaben von Winkler in erster Linie präventiv. In Bezug auf das Herz-Kreislauf-System bieten z.B. Cycling oder Jumping-Fitness hohe Anforderungen, wohingegen Kurse wie z.B. Yoga und Pilates sensitiver sind. Auch das Nordic-Walking ist ein Sport, der das Herz-Kreislauf-System stärken kann. Weitere Angebote wie Gymnastik im Sitzen oder Hockergymnastik sind vor allem für Menschen, die nicht so stark belastbar sind, zu empfehlen. „Sie beinhalten einen Mix aus Kraft und Ausdauer, oft unter Einsatz von Kleingeräten“, sagt Winkler.

Seitdem der Bovender SV 2006 sein Zentrum für Freizeit- und Gesundheitssport (ZFG) eröffnet hat, ist dieses „stetig sehr gut ausgelastet“, sagt BSV-Geschäftsführerin Evelyn Hadenfeldt. Pilates und Yoga sind auch beim größten Landkreis-Verein als sanfte Kurse zur Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems gefragt, aber auch die wöchentliche „Herzgruppe“ ist, so Hadenfeldt, „schon grenzwertig voll gewesen“. Die langjährige Übungsleiterin Sabina Kunze habe gerade in ihrem Jahresrückblick 2018 geschrieben, dass sich die Gruppe im wahrsten Sinne des Wortes auf eine übersichtliche Teilnehmerzahl „gesund geschrumpft habe“. Die ärztliche Versorgung ist ein fester Bestandteil dieser Gruppe, deren Teilnehmer alle mit einer entsprechenden Verordnung dabei sind.

Der Bovender SV, dessen Zentrum für Freizeit- und Gesundheitssport auch Ausbildungsstandort des Kreissportbundes Göttingen-Osterode ist, hat das Qualitätssiegel „SPORT PRO GESUNDHEIT“. Der Deutsche Olympische Sportbund hat in Zusammenarbeit mit der Bundesärztekammer für spezielle Gesundheitsprogramme im Sportverein dieses Qualitätssiegel entwickelt. Mit diesem Siegel verpflichten sich die Vereine und Verbände, die hohe Qualität ihrer Gesundheitsangebote nach gemeinsamen verbindlichen Grundsätzen sicherzustellen. Inhaltlich werden die Bereiche „Herz-Kreislauf“, „Muskel-Skelettsystem“, „Stressreduktion/Entspannung“ aufgegriffen. Zielsetzung der Maßnahmen ist neben der Vermittlung von gesundheitsgerechtem Bewegungsverhalten, der Verminderung von Risikofaktoren auch der Aufbau einer längerfristigen Motivation für regelmäßige sportliche Aktivität.


Regelmäßige Bewegung kann das Risiko für Bluthochdruck senken. FOTO: ISTOCKPHOTO
Regelmäßige Bewegung kann das Risiko für Bluthochdruck senken. FOTO: ISTOCKPHOTO

Das Herz hält den menschlichen Organismus am Laufen und wird daher auch „Motor des Lebens“ genannt. Wer sein Augenmerk demnach bewusst auf die Herzgesundheit legt, profitiert vielfach davon. So kann nicht nur das Risiko für Bluthochdruck, Diabetes und Herzinfarkt reduziert werden - auf lange Sicht steigt auch die Lebensqualität. Ganz oben auf der Liste steht regelmäßige Bewegung: Während Untrainierte einen Ruhepuls von 60 bis 90 Schlägen in der Minute haben, liegt dieser bei Sportlern niedriger, was wesentlich gesünder ist. Ausdauersportarten wie Radfahren, Walken oder Schwimmen stärken zudem die Muskulatur, Übergewicht wird abgebaut, die Beweglichkeit bleibt erhalten. Herzpatienten sollten ihre individuelle Belastbarkeit jedoch vorab mit ihrem Arzt besprechen.

Wichtige Mineralstoffe - die auch das Herz benötigt - führt man dem Körper möglichst über die Nahrung zu. So kann er sie am besten verwerten. Eine „herzfreundliche“, überwiegend vegetarische Ernährungsweise mit hochwertigen Omega-3-reichen Ölen und zweimal pro Woche Fisch kann empfehlenswert sein. Eine wichtige Rolle bei der Weiterleitung von elektrischen Impulsen in Nerven- und Muskelzellen spielen Kalium und Magnesium - enthalten in Nüssen, Trockenfrüchten und Vollkornprodukten. Eisen trägt zur normalen Bildung von roten Blutkörperchen und Hämoglobin bei - und Zink kann die Zellen vor oxidativem Stress schützen. Beide Spurenelemente finden sich vermehrt in rotem Fleisch, Eigelb, Hülsenfrüchten und grünem Gemüse. Ergänzend können Vitalpilze als Extrakt oder Pulver auf dem Speiseplan stehen. Sie liefern reichlich Mineralstoffe und Vitamine. djd


Göttingen. Besonderheiten gilt es zu beachten, wenn es um Herz-OPs bei Kindern geht. Prof. Dr. Theodor Tirilomis, Leiter des Schwerpunkts Kinderherzchirurgie der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie der UMG, erklärt hierzu: „Eine sehr gute Option für die schnelle Diagnostik haben wir heutzutage mit der Echokardiographie, also mit dem Herzultraschall, mit der wir ohne große Zeitverzögerung eine Diagnose erstellen und bei entsprechendem Bedarf weitere Maßnahmen ergreifen können. Hier ist weiterhin der Herzkatheter das Verfahren der Wahl, die weiterhin mit der MRT-Untersuchung oder CT-Untersuchung unterstützt werden kann. Erfreulicherweise haben wir in Göttingen seit kurzem auch die Möglichkeit, Kardio-MRT-Untersuchung auch bei kleinen Kindern vorzunehmen.“ Das Verfahren sei jedoch weiterhin sehr zeitaufwendig und mit großem personellen Aufwand verbunden. Daher bestehe hier noch immer Forschungsbedarf – damit diese Diagnostikmethode auch bei kleinen Kindern angewendet werden kann.

„Insgesamt muss man betonen, dass seit der Gründung der Herzchirurgie in Göttingen, Ende der 1950er-Jahre, Kinder mit angeborenen Herzfehlern behandelt werden. Über die Jahre hat sich jedoch die Situation gravierend verändert“, so Tirilomis. Kinder würden deutlich früher operiert, um die Spätfolgen der Grunderkrankung zu vermeiden und dadurch auch die Prognose zu verbessern. Dadurch müssten teilweise die Kinder im Säuglings- oder Neugeborenenalter operiert werden: „Zunehmend werden auch Kinder mit angeborenem Herzfehler primär mit einem kathetergestützten Verfahren behandelt, zum Teil sogar in einem Kombinationseingriff mit offener Operation und kathetergestütztem Verfahren im Sinne einer Hybrid-Prozedur.“ Diese Verfahren seien jedoch als eine Überbrückung gedacht, um die definitive Operation zu einem späteren Zeitpunkt – wenn das Kind deutlich größer ist – durchführen zu können. mr

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