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Home Sonderthemen Freizeit & Familie Germershausen
08:10 18.02.2021
Die Jugendbetreuer der katholischen Bildungsstätte Germershausen bedauern die Schließung der Einrichtung. FOTO: R / WEINRICH

Es war eine traurige Nachricht für den ganzen Ort – und weit darüber hinaus: Das Bistum Hildesheim hat im Zuge der Neuorganisation ihrer außerschulischen Bildungsangebote das Aus für die Bildungsstätte St. Martin in Germershausen verkündet. Am Jahresende 2020 war dort Schluss.

Die Entscheidung zur Schließung habe nicht nur mit der Corona-Pandemie zu tun, hatte des Bistum betont. Gleichwohl war Corona nach Auffassung von Thomas Holzborn, dem Leiter der Bildungsstätte, „der Sargnagel“ für einen Prozess, der sich angedeutet habe. „Das Damoklesschwert der Schließung“, so Holzborn weiter, habe in den vergangenen zehn Jahren schon über der Bildungsstätte St. Martin geschwebt.


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„Ich hatte eine Menge vor mit dem Haus“, sagt der Leiter der Einrichtung. Zum Beispiel hätten die Pläne für eine Umgestaltung von Foyer und Speiseraum fertig in der Schublade gelegen. „Aber es ist deutlich geworden, dass das Bistum in die bauliche Substanz des Hauses und auch in die personelle Besetzung hätte investieren müssen“, erklärt Holzborn. Hinzu komme, dass die Augustiner sich bereits aus Germershausen zurückgezogen hatten und der Nutzungsvertrag für eine Hälfte des Gebäudekomplexes zum Jahresende 2020 ausgelaufen sei.

Die Auslastung und Belegung der Bildungsstätte St. Martin Germershausen habe nach Ansicht Holzborns „sicher nicht den Ausschlag gegeben“. Denn mit Blick auf die Auslastung 2019 spricht er von der „besten Belegung der letzten zehn Jahre“. Die Corona-Pandemie habe dann 2020 zu „massiven Einschränkungen und Einschnitten“ geführt, doch dank eines „sehr guten Hygienekonzepts“ habe man Gruppen wieder Angebote machen können. Die letzten Gäste waren Ende Oktober im Haus. Unterdessen reagierten die Menschen in Südniedersachsen auf die Schließung der Bildungsstätte vielfach mit Bedauern und Trauer, Verständnis – aber auch Verärgerung. Holzborn freut sich über die Wertschätzung und Verbundenheit zum Haus, die er vernommen habe.

Der Göttinger Dechant Wigbert Schwarze ist traurig über die Schließung, „weil ich persönlich viel mit Germershausen und der Bildungsstätte St. Martin verbinde. Ich bin dort groß geworden mit den Augustinern.“ Auch bedeute die Schließung der Einrichtung, dass damit „ein Stück Heimat für die ganze Südregion des Bistums“ verloren gehe, sagt Schwarze. Er hoffe, dass es für das Wallfahrtswesen in Germershausen weiter gehe.


Das wünscht sich auch Cornelia Kurth-Scharf vom Wallfahrts-Team in Germershausen, die die Schließung der Bildungsstätte als „herben Verlust“ bezeichnet. So konnten die Wallfahrer – bis zu 5000 Menschen bei der Großen Wallfahrt – beispielsweise die sanitären Anlagen nutzen oder wurden von der dortigen Küche aus verpflegt. Darüber hinaus stehe den Germershäuser Katholiken kein Pfarrhaus oder -heim zur Verfügung. Für Treffen des Wallfahrts-Teams oder aber Bibelkreise habe man bislang Räume in der Bildungsstätte nutzen können, ergänzt Kurth-Scharf. „Ich hoffe, dass das Bistum für unsere Sorgen und Nöte ein offenes Ohr hat.“

Weil Germershausen eine Bildungsstätte sei, die speziell auch Angebote für Familien gemacht habe, bedauert Kurth-Scharf das Aus umso mehr. Das große Gelände biete so viele Möglichkeiten für Erwachsene und für Kinder. Schulklassen aus dem Obereichsfeld hätten hier Religionsfreizeiten verbracht, Kinder aus dem Untereichsfeld sich auf die Erstkommunion oder Firmung vorbereitet.

Kaplan Matthias Rejnowski, Dekanatsjugendseelsorger für das Untereichsfeld, hat selbst einige Gruppen begleitet und festgestellt, „wie wichtig dieser Ort ist“. So hätten Familien die Bildungsstätte Germershausen besucht, „die normal nicht im Gemeindeleben aktiv sind“, sagt er. „Das bricht jetzt weg“, meint Rejnowski, wenngleich er die Entscheidung des Bistums „rational nachvollziehen“ könne.

Wenig nachvollziehbar findet Sven Faulhaber das Aus der Bildungsstätte - vor allem da sich Ehrenamtliche des Bistums unter Einbeziehung der Bildungsstätte „ganz viel Mühe“ mit der Vorbereitung des Meadow-Jugendfestivals (25. bis 27. Juni 2021) in Germershausen gegeben hätten. Mit der Schließung werde das ganze Konzept nun hinfällig, glaubt Faulhaber, der sich im Kirchengemeinderat Seulingen engagiert. be
     

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