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Home Sonderthemen Wirtschaft & Finanzen Erben und Vererben
15:57 01.10.2019
FOTO: HALFPOINT - FOTOLIA.COM

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) enthält im 5. Buch (§§ 1922 ff.) das Erbrecht. Hier gibt es konkrete Regelungen der Erbfolge nach dem Verwandtschaftsgrad und das Sondererbrecht des Ehegatten. Man spricht dabei von der gesetzlichen Erbfolge, in der nur die Quoten für die Aufteilung des Nachlasses vorgegeben werden.

Sofern kein Testament existiert, gilt immer die gesetzliche Erbfolge, unabhängig davon, ob die dann eintretende Rechtsnachfolge den tatsächlichen Wünschen und Vorstellungen des Verstorbenen entspricht.

In vielen Fällen führt dies jedoch zu unerwünschten Ergebnissen. So erben bei einem kinderlosen Ehepaar neben dem überlebenden Ehegatten die Eltern oder an deren Stelle eventuell die Geschwister bzw. gebenenfalls Nichten und Neffen des Erblassers. Sind etwa überhaupt keine gesetzlichen Erben vorhanden oder auffindbar, erhält der Staat das Vermögen.
           

Zur Regelung des letzten Willens ist es daher in den meisten Fällen ratsam, ein Testament zu errichten. Die dann eintretende sogenannte gewillkürte Erbfolge geht der gesetzlichen Erbfolge vor. Jede Person ab 16 Jahre („testierfähig“) kann in ihrem Testament ihre individuellen Vorstellungen darüber darlegen, wie und auf wen ihr Vermögen bei ihrem Ableben verteilt werden soll. Bei der Errichtung des Testaments sind bekanntlich zwei Formen möglich, nämlich das Testament in handschriftlicher oder in notariell beurkundeter Form.

Während das handschriftliche Testament, welches eigenhändig ge- und unterschrieben sein muss, z. B. zuhause aufbewahrt werden kann, gelangt das notariell beurkundete Testament zwingend in die amtliche Verwahrung eines Amtsgerichts und wird dort nach dem Tod des Testierenden auch eröffnet. Testament und Eröffnungsprotokoll dienen dann den Erben als Nachweis der Rechtsnachfolge, während beim handschriftlichen Testament oder aber auch bei der gesetzlichen Erbfolge ein Erbschein als Nachweis zu beantragen ist.
         

Axel Klingebiel FOTO: R
Axel Klingebiel FOTO: R

Enthält der Nachlass zum Beispiel Grundbesitz, ist für die Berichtigung des Grundbuchs eines der vorgenannten Dokumente vorzulegen.

Für welche Variante man sich entscheidet, sollte ebenso gut überlegt sein wie der Inhalt des Testaments. Selbst bei scheinbar einfachen Konstellationen besteht schnell die Gefahr, Rechtsfolgen auszulösen, die weder beabsichtigt, noch gesehen wurden.

Wenn auch das Erbrecht auf den ersten Blick möglicherweise einfach erscheint, sind die gesetzlichen Bestimmungen sehr komplex und kompliziert. Das Erbrecht enthält „Untiefen“, die nicht nur für den juristischen Laien, sondern auch für die mit diesem Rechtsgebiet nicht vertrauten Juristen schnell zur Falle werden können. So kommt es häufig vor, dass vererbtes Vermögen, wenn nicht beim ersten Erbfall, sondern bei Weitervererbung Personen zugute kommt, die man gerade nicht bedenken wollte, so etwa bei einer Patchworkfamilie eventuell dem geschiedenen Ehegatten. Oftmals bestehen auch falsche Vorstellungen über das Pflichtteilsrecht und die sich daraus ergebenden Konsequenzen, so zum Beispiel, dass ein Pflichtteilsanspruch auch gepfändet werden kann. Auch die Auseinandersetzung einer ungeteilten Erbengemeinschaft kann zu unerwünschten Diskussionen und Ergebnissen führen.

Auch das gemeinschaftliche Testament von Ehegatten (im Volksmund fälschlicherweise immer als „Berliner Testament“ benannt) hat so seine Tücken, insbesondere mit der Bindungswirkung der wechselbezüglichen Verfügungen der Eheleute.

Wer weiß schon genau, was ein Vermächtnis ist und in welchem Verhältnis ein Vermächtnis zum Erbe steht? Wie verhält es sich mit Auflagen? Wer trägt die Beerdigungskosten des Verstorbenen?

Noch komplizierter wird es beim Verständnis und bei der Verwendung der Begriffe Schluss-, Ersatz-, Vor- und Nacherben.

Wie verhält es sich mit Vorab-Zuwendungen zu Lebzeiten zugunsten eines Erben? Wie und worauf werden solche Vermögenswerte angerechnet, und kann ich diese Rechtsfolge selbst beeinflussen?

Wie und in welcher Form kann ich ein Testament widerrufen, wenn ich den Inhalt ändern will?

Kann ich über mein Vermögen überhaupt noch zu Lebzeiten verfügen, wenn ich ein Testament errichtet habe? Was ist ein Erbvertrag? Wie unterscheidet sich dieser von einem Testament?

Die oben genannten Fragen zeigen nur beispielhaft auf, dass die Errichtung eines Testaments sich in der Regel schwieriger gestaltet, als man glauben mag. So ist es in der Regel nicht nur nützlich und kostensparend, sich vorab kompetent beraten zu lassen, um schließlich den letzten Willen rechtssicher und den eigenen Vorstellungen entsprechend zu regeln.

Der Vollständigkeit halber ist dabei zu erwähnen, dass sich die Gebühren sowohl für die anwaltliche als auch die notarielle Tätigkeit streng nach den gesetzlichen Vorgaben des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes bzw. Gerichtsund Notarkostengesetzes richten und der für die Gebühren maßgebliche Gegenstandswert vom Wert des Nachlasses abhängig ist.

Axel Klingebiel
Rechtsanwälte & Notare Axel Klingebiel & Herwarth Glahe Duderstadt

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