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Home Sonderthemen Wirtschaft & Finanzen Das Jahresende kommt: Was wird aus meinem Resturlaub?
08:12 05.11.2019
FOTO: HALFPOINT - FOTOLIA.COM
Menge Noack
Rechtsanwälte und Notare Amthauer Paulini Rohde & Dr. Wichmann
Kanzlei für Erbrecht
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Bisher verfiel ein nicht genommener Urlaub am Jahresende. Lagen besondere Gründe vor, so konnte ich den Resturlaub bis zum 31. März des Folgejahres nehmen.
    

Diese auf dem Bundesurlaubsgesetz basierende Handhabung hat das Bundesarbeitsgericht, einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes folgend, nun an weitere Voraussetzungen geknüpft. Der Urlaub verfällt nur noch, wenn mich die Arbeitgeberin im Urlaubjahr darauf hinweist, dass mein Anspruch verfällt, wenn ich die Resttage nicht bis zum Jahresende nehme. Wenn die Arbeitgeberin dieser Mitwirkungspflicht nicht nachkommt, ist der Urlaub nicht auf das Kalenderjahr und auch nicht auf den Zeitraum bis zum 31. März des Folgejahres beschränkt. Der Urlaubsanspruch besteht fort. Selbst wenn die Arbeitgeberin ihre Mitwirkungspflicht erfüllt, der Urlaub aber auf das Folgejahr übergeht, weil ich aus von mir nicht zu vertretenen Gründen den Urlaub im abgelaufenen Kalenderjahr nicht nehmen konnte, so muss die Arbeitgeberin mich erneut auf den Zeitraum, in dem der Resturlaubsanspruch zu nehmen ist, hinweisen. Erfolgt dieser Hinweis nicht, so verfällt der gesetzliche Urlaubsanspruch aus dem Vorjahr auch nicht am 31. März.


Ein Irrglaube ist, dass ich jedes Jahr nur nach den ersten sechs Monaten vollen Urlaubsanspruch habe.


Bei sechs Arbeitstagen in der Woche stehen mir kraft Gesetz 24 Urlaubstage zu. Bei einer 5-Tage Woche habe ich somit nur 20 Urlaubstage. Zusätzliche tarifvertraglich oder individualvertraglich vereinbarte Urlaubstage, die darüber hinaus gewährt werden, unterfallen den sich aus der Rechtsprechung ergebenden Konsequenzen nur im Ausnahmefall.
     

Sylvia Binkenstein FOTO: R
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Ein Irrglaube ist, dass ich jedes Jahr nur nach den ersten sechs Monaten einen vollen Urlaubsanspruch habe. Lediglich zu Beginn des Arbeitsverhältnisses gibt es eine Wartezeit von sechs Monaten, nach der der volle Urlaubsanspruch entsteht. In den Folgejahren kann ich meinen ganzen Jahresurlaub am 1. Januar antreten. Nur wenn ich in den ersten sechs Monaten eines Jahres ausscheide, habe ich nur einen Urlaubsabgeltungsanspruch von jeweils 1/12 des vollen Urlaubsanspruches pro Monat der Beschäftigung in diesem Jahr, wenn ich meinen Urlaub bis zum Zeitpunkt des Ausscheidens nicht beansprucht habe. Allerdings: Habe ich bereits meinen ganzen Jahresurlaub genommen, obwohl mein Arbeitsverhältnis im ersten Halbjahr endet, so kann die Arbeitgeberin gleichwohl keinen Ersatz für den „zu viel“ gewährten Urlaub verlangen.
        

FOTO: THORBEN WENGERT_PIXELIO.DE
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Ein kurzer Hinweis noch an alle Minijobber, Werkstudenten oder Aushilfen: Auch wenn ich zu einer dieser Gruppen gehöre, bin ich Arbeitnehmerin im Sinne des Bundesurlaubsgesetzes. Ich habe Anspruch auf bezahlten Urlaub, also zumindest 24 Urlaubstage bei einer Sechs-Tage-Woche. Arbeite ich nur an zwei Tage in der Woche, so reduziert sich mein Anspruch entsprechend. Ich habe nur acht Tage Urlaub. Diese Urlaubstage werden aber nur auf die Tage, an denen ich normalerweise arbeiten müsste, angerechnet.

Es lohnt sich, genau hinzusehen.

Sylvia Binkenstein,
Kanzleikooperation Binkenstein Lehmann

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